Wenn ich meinen Freunden oder Verwandten erzähle, dass ich täglich eine Gesichtscreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor benutze, werde ich meist nur komisch angeguckt und gefragt, ob ich denn nicht gemerkt habe, dass wir grade Winter haben.
Aber ein guter Sonnenschutz ist nicht nur an langen Tagen am Strand und im Hochsommer wichtig.
Warum es unserer Haut gut tut, wenn wir sie jeden Tag mit Sonnencreme schützen und wie wir damit Hautalterung und Hautschäden vorbeugen können, lest ihr in diesem Artikel.

Was ist Sonnenstrahlung eigentlich?

Sonnenlicht besteht aus elektromagnetischen Wellen. Innerhalb eines Spektrums von etwa 400nm bis 700nm (Nanometer) sind diese Wellen für das menschliche Auge als Licht sichtbar. Allerdings gibt es auch einen für den Menschen unsichtbaren Teil der Sonnenstrahlung – die so genannten UV-Strahlen. Diese Strahlen sind für die menschliche Haut potentiell gefährlich, da sie unterschiedlich tief in die Hautschichten eindringen und dort bestimmte Reaktionen auslösen können.

Wie wirkt UV-Strahlung auf die Haut?

Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen der so genannten UV-A-Strahlung und der UV-B-Strahlung.
Die UV-A-Strahlung hat eine Wellenlänge von etwa 320 – 400nm und wirkt in den tieferen Hautschichten bis hin zur Lederhaut. Dort kann sie, wenn man ihr zu lange ausgesetzt ist, die hauteigenen Kollagenfasern schädigen. Kollagen ist in unserer Haut vor allem dafür wichtig, das Hautgewebe elastisch, prall und gut durchfeuchtet zu halten. Wenn unsere Haut also einer zu großen Menge an UV-A-Strahlung ausgesetzt ist, führt das zu einem Elastizitätsverlust, Faltenbildung und vorzeitiger Hautalterung.
Außerdem erhöht die regelmäßige Einwirkung von UV-A-Strahlung das Risiko, an Melanomen – dem so genannten schwarzen Hautkrebs – zu erkranken.
UV-B-Strahlung hat mit 280 – 320nm eine etwas kürze Wellenlänge als UV-A-Strahlung und dringt deshalb nicht so tief in die Haut ein. In der Oberhaut regt die UV-B-Strahlung die Produktion von Melanin an, was zur Bräunung der Haut führt. Setzt man sich über einen längeren Zeitraum einer zu starken UV-B-Strahlung aus, kann das allerdings zum klassischen Sonnenbrand führen. Hierbei kommt es in der Oberhaut zu einer Entzündungsreaktion, die sich durch Rötungen, Blasenbildung und schmerzhafte Schwellungen äußert.

Wie schützt sich die Haut gegen UV-Strahlung?

Glücklicherweise kann sich unsere Haut in einem gewissen Rahmen ganz gut gegen schädliche UV-Strahlung wehren. Je nach Hauttyp reflektiert die oberste Schicht unserer Haut – die Hornhaut – einen gewissen Anteil der UV-Strahlung, der sie ausgesetzt ist. Je dicker die Hornhaut, desto mehr UV-Strahlen kann sie reflektieren. Und je mehr UV-Strahlen die Haut abbekommt, desto dicker wird die Hornhaut – eine so genannte Lichtschwiele entsteht. Damit versucht unsere Haut, eine Schutzbarriere gegen UV-Strahlen aufzubauen.
Ein weiterer Selbstschutzmechanismus der Haut besteht aus der Bildung von Melanin. Melanin ist für die Bräunung der Haut nach Sonneneintrahlung verantwortlich und kann einen Teil der auftreffenden UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht filtern, bevor es die tieferen Hautschichten erreicht.
Auf diese Weise kann sich unsere Haut für einen gewissen Zeitraum selbst gegen eine moderate UV-Einstrahlung schützen. Dieser Selbstschutz hält allerdings je nach Hauttyp nur für etwa 5 bis 60 Minuten im Freien an, danach ist unsere Haut auf externen Sonnenschutz angewiesen, um keinen Schaden zu nehmen.

Sollte man täglich Sonnencreme verwenden?

Sobald der Zeitraum des natürlichen Selbstschutzes unserer Haut gegen UV-Strahlung erschöpft ist, fängt die Strahlung an, in unserer Haut zu wirken und dort die Alterung unserer Haut anzukurbeln. Kollagen wird abgebaut, unsere Haut verliert Feuchtigkeit, Fältchen und Pigmentflecken entstehen und das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, steigt.
Und zwar nicht nur an sonnigen Sommertagen. UV-Strahlung gibt es jeden Tag, auch wenn wir sie nicht sehen können. Ob bewölkt oder sonnig, ob Sommer oder Winter. Zwar ist die Stärke der UV-Strahlung im Winter durch die kurzen Tage und die Entfernung zur Sonne etwas geringer als im Sommer, aber sobald es Tageslicht gibt, gibt es auch UV-Strahlung.
Wer sich also täglich länger als ein paar Minuten im Freien aufhält, sollte seiner Haut zu Liebe jeden Tag eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher auf den frei liegenden Körperstellen verwenden. Einerseits um die Haut vor Alterungserscheinungen zu schützen und andererseits, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Ungeschützter Aufenthalt in der Sonne kann die Haut langfristig schädigen

Welche Sonnencreme passt zu mir? – Unterschiede zwischen physikalischen und chemischen Filtern

In Bezug auf die Wirkweise von Sonnencremes unterscheidet man zwischen Sonnencremes mit physikalischen Filtern und solchen mit chemischen Filtern.

Physikalische Filter in Sonnencreme

Sonnenschutz mit physikalischen UV-Filtern enthalten winzige Partikel wie zum Beispiel Zinkoxid oder Titanoxid, welche die eintreffende UV-Strahlung streuen und reflektieren und so ein breites Spektrum an UV-A und UV-B-Strahlung unschädlich machen. Physikalische Sonnenschutzfilter dringen dabei nicht in die Haut ein, was sie oft verträglicher macht, als chemische Filter. Sie werden allerdings dadurch auch leichter abgetragen, zum Beispiel durch Schweiß, Wasser oder Reibung. Deshalb sollte man bei der Verwendung von Sonnencremes mit physikalischen Filtern öfter nachcremen.
Ein Nachteil der physikalischen Filter in Sonnencreme ist der weiße Film, den sie auf der Haut hinterlassen können – das so genannte Weißeln. Dieser weiße Film entsteht, weil die Mikropartikel nicht nur das für den Menschen unsichtbare sondern auch das sichtbare Licht reflektieren.

Nanopartikel in Sonnencreme

Da der weiße Film auf der Haut bei der Verwendung von physikalischen Sonnenschutzfiltern oft als unangenehm empfunden wird, verwenden einige Hersteller mittlerweile so genannte Nanopartikel in Sonnenschutzprodukten. Nanopartikel sind wie Mikropartikel physikalische Filter und bestehen ebenfalls oft aus Zinkoxid oder Titanoxid. Der Unterschied im Vergleich zu Mikropartikeln ist ihre Größe. Mit einem Durchmesser von 1 – 100nm sind sie deutlich kleiner als Mikropartikel.
Der Vorteil von Nanopartikeln in physikalischem Sonnenschutz ist, dass die geringere Größe der Partikel dazu führt, dass nur noch die UV-Strahlung reflektiert wird und somit kein weißer Film mehr sichtbar ist.
Allerdings ist bisher ungeklärt, ob Nanopartikel aufgrund ihrer geringen Größe in die Haut eindringen und sich im Körper ablagern können. Insbesondere für strapazierte, geschädigte oder sehr trockene Haut mit geschwächter Hautbarriere werden Sonnenschutzprodukte mit Nanopartikeln nicht empfohlen.
Sonnencremes, die solche Nanopartikel enthalten, müssen in den Inhaltsstofflisten explizit darauf hinweisen.

Chemische Filter in Sonnencreme

Sonnenschutz mit chemischen Filtern enthält meist Stoffe, die aus Salizylsäure, Campher oder Zimtsäure gewonnen werden. Diese Stoffe absorbieren die kurzwelligen und energiereichen UV-Strahlen und wandeln sie in langwellige Wärmestrahlung um, welche der Haut nicht mehr schaden kann.
Im Gegensatz zu physikalischen Filtern ziehen chemische Filter in die Haut ein, um dort wirken zu können. Deshalb ist es bei der Verwendung von chemischen Sonnenschutzfiltern wichtig, die Sonnencreme mindestens 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien zu verwenden.
Zwar kann man chemische Filter nicht ganz so leicht versehentlich abwischen wie physikalische Filter, allerdings zersetzen sie sich mit der Zeit, während sie ihre Arbeit tun und die UV-Strahlen absorbieren. Deshalb ist es auch bei Sonnenschutz mit chemischen Filtern wichtig, regelmäßig nachzucremen.

Mit einer Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor ist die Haut den ganzen Tag vor vorzeitiger Hautalterung geschützt

Der Lichtschutzfaktor – wie hoch sollte er sein?

Der so genannte Lichtschutzfaktor (LSF) oder auch sun protection factor (SPF) auf Sonnencreme und anderen Sonnenschutzprodukten gibt an, um welchen Faktor sich die Zeitspanne, in welcher die Haut gegen Sonnenschäden geschützt ist, bei Anwendung des Produktes verlängert. Um diese Zeitspanne zu berechnen, wird die natürliche Eigenschutzzeit der Haut mit dem Lichtschutzfaktor multipliziert. Die Zeit, in der sich unsere Haut selbst gegen UV-Strahlung aus Sonnenlicht schützen kann, ist abhängig vom Hauttyp und variiert zwischen etwa 5 Minuten bei sehr heller Haut und etwa 60 Minuten bei dunkler Haut.
Ein Mensch mit eher heller Haut und einer Eigenschutzzeit von 15 Minuten könnte sich also theoretisch mit Verwendung einer Sonnencreme mit LSF 30 450 Minuten (7,5 Stunden) im Freien aufhalten, ohne dass Hautschäden entstehen.
Damit über diesen Zeitraum auch tatsächlich ein guter Schutz vor UV-Strahlen besteht, muss allerdings eine ausreichende Menge an Sonnencreme aufgetragen werden. Als Richtwert gilt hier eine Menge von 2 Mikrogramm Sonnencreme pro Quadratzentimeter Haut. Für das Gesicht entspräche das etwa einer Menge von zwei Fingerlängen Sonnencreme.
Wird weniger Sonnencreme verwendet, verringert sich die Zeit, in der die Haut geschützt ist. Auch ist bei Sonnencremes mit physikalischen Filtern darauf zu achten, dass nach einem Bad oder schweißtreibenden Aktivitäten nachgecremt werden sollte.
Für den täglichen Sonnenschutz – insbesondere im Gesicht – empfehlen sich deshalb Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor von 30 oder höher. Im Sommer oder im Strandurlaub und bei besonders heller Haut ist auch ein Lichtschutzfaktor von bis zu 50 oder mehr empfehlenswert, um die Haut den ganzen Tag vor UV-Strahlung und damit einhergehender Hautalterung und langfristigen Hautschäden zu schützen.