Ob Gesichts-, Körper- oder Haarpflege – jedes Kosmetikprodukt besteht aus einer mehr oder weniger umfangreichen Liste an Inhaltsstoffen. Und jede Substanz, die unsere Haut berührt, wirkt auf irgendeine Weise auf sie. Viele Inhaltsstoffe haben eine positive Wirkung auf unsere Haut, die meisten schaden ihr zumindest nicht. Aber es gibt auch eine Reihe von schlechten Inhaltsstoffen in Kosmetik, die man vermeiden sollte. Entweder weil sie gesundheitsschädlich sein können, Allergien auslösen oder krebserregend wirken können oder die Hautalterung beschleunigen.
In diesem Beitrag möchte ich euch 5 Inhaltsstoffe vorstellen, auf die ihr in euren Pflegeprodukten eurer Haut zu Liebe lieber verzichten solltet und euch erklären, warum sie schlecht für eure Haut sein können.

vergällter Alkohol

Alkohole sind in unterschiedlichen Formen in vielen Kosmetika enthalten. Insbesondere in Naturkosmetik kommen sie oft als Konservierungsmittel oder Fettlöser zum Einsatz, um auf synthetische Lösungsmittel und Parabene verzichten zu können. Das ist prinzipiell eine gute Sache, denn Parabene sind nicht unumstritten und stehen noch immer im Verdacht, krebserregend wirken zu können. Außerdem sind sie sehr viel schädlicher für die Umwelt als Alkohole.
Problematisch wird Alkohol als Inhaltsstoff in unserer Hautpflege dann, wenn es sich um vergällten Alkohol handelt. Dieser ist sehr viel günstiger als die unvergällte Variante des Alkohols, weil er nicht unter die Alkoholsteuer fällt. Das Vergällen von Alkoholen geschieht mit Hilfe von Phthalaten, welche über die Haut aufgenommen werden können. Dort können sie die Zellstruktur der Haut schädigen, die Hautalterung beschleunigen, die Haut austrocknen und sogar die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Vergällter „schlechter Alkohol“ zählt also zu den schlechten Inhaltsstoffen, auf die man möglichst verzichten sollte. Es gibt aber glücklicherweise auch „guten Alkohol“, so genannte Fettalkohole. Diese werden aus pflanzlichen Fettsäuren gewonnen und wirken als Weichmacher und Verdicker in vielen Pflegeprodukten. Fettalkohole wirken auf unsere Haut nicht reizend, halten sie weich und geschmeidig und sind nicht komedogen. Fettalkohole sind als Inhatsstoff in der Hautpflege den vergällten oder denaturierten Alkoholen also vorzuziehen.

Wie erkenne ich „gute“ und „schlechte“ Alkohole?

Wenn man sich die Inhaltsstoff-Listen auf Kosmetikprodukten anguckt, stößt man schnell auf viele für den Nicht-Chemiker unverständliche Begriffe. Allein Alkohole können unter 12 verschiedenen Bezeichnungen auftauchen. Welche davon sind jetzt aber die guten Fettalkohole und welche die schlechten Alkohole?

Zu den guten Alkoholen gehören:

Behenyl Alcohol, Cetearyl Alkohol, Cetyl Alcohol, Lanolin Alcohol, Stearyl Alcohol

Zu den schlechten Alkoholen gehören:

Alcohol denat., Benzyl Alcohol, Ethanol, Ethyl Alcohol, Isopropyl Alcohol, Methanol, SD Alcohol

Außer auf schlechte Alkohole solltet ihr in diesem Zusammenhang auch auf alles verzichten, was „Phthalate“ im Namen hat, wie zum Beispiel Butyl Benzyl Phthalate oder Diethyl Phthalate.

Wenn eure Haut sensibel auf denaturierte Alkohole reagiert und ihr sie vor unnötiger Reizung, vorzeitiger Alterung und dem Austrocknen bewahren wollt, greift ihr also lieber zu Produkten, die Alkohole aus der ersten Kategorie enthalten.
Leider kommt es hin und wieder vor, dass gerade auf Naturkosmetik-Produkten in den Inhaltsstoff-Listen lediglich der Begriff „Alkohol“ ohne nähere Angaben auftaucht. Hierbei handelt es sich leider oftmals um den günstigeren vergällten Alkohol. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, fragt ihr in diesem Fall lieber direkt beim Hersteller nach, um welchen Alkohol es sich genau handelt.

Parfüme und synthetische Duftstoffe

Ein weiterer potentiell schädlicher Inhaltsstoff, der in vielen Kosmetik- und Pflegeprodukten vorkommt, ist Parfum. Parfüme oder auch synthetische Duftstoffe werden oft in Cremes, Seren, Shampoo oder Lotion eingesetzt, um dem Produkt einen angenehmen Duft zu verleihen und chemische Gerüche zu überdecken.
Synthetische Duftstoffe sowie einige aus natürlichen Substanzen extrahierte Duftstoffe können auf unsere Haut aber sehr reizend wirken, Unverträglichkeiten und sogar dauerhafte Allergien auslösen. Dies äußert sich oft in juckender, schuppender Haut, Ausschlägen, Ekzemen oder Schwellungen.

Wie erkenne ich besonders allergene Duftstoffe und Parfüme?

Einige Duftstoffe gelten als besonders allergenisierend und müssen deshalb in Inhaltsstoff-Listen gesondert deklariert werden, dürfen also nicht nur als „Parfum“ oder „planzliche Duftstoffe“ aufgeführt werden.

Zu den besonders reizenden Duftstoffen gehören unter anderem:

Citral, Eugenol, Hydroxycitronellal, Benzyl Salicylate, Cinnamal, Coumarin, Geraniol, Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyd, Farnesol, Butylphenyl Methylpropional, Linalool, Benzyl Benzoate, Citronellol und Limonene

Auch die natürlichen Extrakte des Eichenmooses und Baummooses (Evernia Prunastri Extract und Evernia Furfuracea Extract) gelten als besonders reizende Inhatsstoffe.
Eine vollständige Liste der potentiell allergenen deklarationspflichtigen Duftstoffe findet ihr auf dieser Inhaltsstoff-Liste von AGES.

Insbesondere wenn ihr sensible Haut habt, zu Allergien neigt oder Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Rosacea habt, solltet ihr auf den Inhatsstoff-Listen eurer Pflegeprodukte auf diese potentiell schädlichen Duftstoffe und Parfüme achten.

Paraffine und Mineralöle

Paraffine, Mineralöle, Erdöle oder auch Vaseline genannt, sind nicht nur aufgrund ihrer Gewinnungsverfahren schädlich für die Umwelt. Sie können auch der menschlichen Haut schaden, wenn sie regelmäßig benutzt werden.
Auf den Inhaltsstoff-Listen von Gesichts- und Körperpflege tauchen Paraffine deshalb so oft auf, weil sie als Nebenprodukt der Erdölverarbeitung ein günstiger Füllstoff sind. Paraffine und Mineralöle halten lange, ohne ranzig zu werden, lassen Pflegeprodukte glänzend und geschmeidig wirken und verbinden sich gut mit anderen Fetten.
Für unsere Haut aber sind Paraffine und Mineralöle alles andere als gut. Sie legen sich als Film auf die Haut, ziehen nicht in sie ein, verstopfen die Poren und stören so die natürlichen Atmungs- und Regenerationsprozesse der Haut. Die Haut fühlt sich dann zwar oft weich und geschmeidig an, trocknet aber von innen heraus langsam aus, weil keine wirklich nährenden Substanzen mehr in die Haut eindringen können. Dies führt dann oft zu einer gefühlten Abhängigkeit der Haut von paraffinhaltigen Pflegeprodukten.

Wie erkenne ich Mineralöle und Paraffine in Kosmetika?

Auf den Inhaltsstoff-Listen von Pflegeprodukten tauchen Paraffine und Mineralöle unter verschiedenen Namen auf.

Die gebräuchlichsten Namen für Mineralöle in Kosmetik sind:

Cera Microcristallina, Ceresin, Microcrystalline Wax, Mineral Oil, Ozokerite, Paraffinum Liquidum, Petrolatum

Von der regelmäßigen Anwendung von Paraffinen und Mineralölen ist in jedem Fall abzuraten, ganz besonders aber, wenn ihr trockene oder geschädigte Haut habt. Auch reifer Haut schaden Paraffine besonders, da sie Trockenheit und Faltenbildung verstärken können.
Als Alternative zu Mineralölen sind planzliche Öle und Fette empfehlenswert, weil diese gut von der Haut aufgenommen werden können, ohne die Hautatmung zu beeinträchtigen.

schlechte Inhaltsstoffe in Kosmetik und Pflegeprodukten können der Haut schaden

PEGs und scharfe Tenside

Waschsubstanzen, auch Tenside genannt, sorgen in den meisten Shampoos, Duschgelen und Badezusätzen für viel Schaum und eine gute und schnelle Reinigung. Sie entfernen Schmutz, Hautfett und Schweiß und hinterlassen saubere Haut und Haare. Aber Tenside sind nicht gleich Tenside. Die so genannten Polyethylenglykole (PEGs) sind synthetische Waschsubstanzen, die gerne wegen ihrer guten Reinigungswirkung und Schaumbildung eingesetzt werden. Sie sind günstig und oft der Hauptbestandteil von herkömmlichen Duschgelen und Shampoos.
Für unsere Haut sind sie deshalb schädlich, weil sie nicht nur Schmutz entfernen, sondern auch die natürliche Hautschutzbarriere schwächen, der Haut Feuchtigkeit entziehen und sie durchlässiger für Giftstoffe machen. Regelmäßige Verwendung von Kosmetika mit einem hohen Anteil an synthetischen Tensiden kann also die Haut austrocknen und sie nachhaltig schwächen. Die Folge sind trockene, spannende Haut, Juckreiz, Ekzeme oder Schuppen.

Wie erkenne ich scharfe Tenside?

Die mit Abstand schärfsten Tenside mit der größten austrocknenden Wirkung auf Haut und Haare sind die so genannten anionischen Tenside (PEGs). Die waschaktiven Verbindungen in anionischen Tensiden beinhalten meist Natrium (Sodium) oder Ammonium, was auch im Namen auf den Inhaltsstoff-Listen erkennbar ist.

Zu den anionischen Tensiden gehören zum Beispiel:

Sodium Lauryl Sulfat, Disodium Laureth Sulfosuccinate, Ammonium Lauryl Sulfat, Sodium Lauryl Sulfoacetate

Weniger austrocknend wirken die so genannten amphoteren Tenside. Zu ihnen zählen beispielsweise die so genannten Betaine und die Sultaine. Diese Namensbestandteile findet man auch in den Inhaltsstoff-Listen von Shampoo und co.

Zu den amphoteren Tensiden gehören zum Beispiel:

Cocoamidopropyl Betain, Cocoamidopropyl Hydroxysultain

Die so genannten kationischen Tenside kommen oft in Spülungen und Haarkuren, aber auch in Weichspülern und Desinfektionsmitteln vor, weil sie zwar nur eine geringe Reinigungswirkung haben, dafür aber als oberflächenglättende Filmbildner wirken. Sie wirken zwar weniger austrocknend auf die Haut als anionische Tenside, können aber dafür die Haut stärker reizen und sind biologisch sehr schlecht abbaubar.

Zu den kationischen Tensiden in Kosmetika gehören unter anderem:

Polyquaternium, Centrimonium Chlorid, Acetamidopropyl Trimonium Chloride, Quaternium, Behentrimonium Chloride

Die am hautfreundlichsten Tenside sind mit Abstand die nichtionischen Tenside. Sie bestehen oft aus Fettalkoholen und Monosacchariden, sind biologisch gut abbaubar und auch oft in Naturkosmetik zu finden. Ihre austrocknende Wirkung ist vergleichsweise gering und sie schädigen die Hautbarriere sehr viel weniger als synthetische PEGs.

Zu den nichtionischen Tensiden zählen zum Beispiel:

Coco Glucoside, Decyl Glucoside, Alkylpolyglucoside

Insbesondere wenn ihr trockene, sensible oder geschädigte Haut habt, empfiehlt es sich also, Reinigungsprodukte auf Basis von nichtionischen Tensiden zu verwenden. Diese sind nicht nur schonender zur Haut sondern auch zur Umwelt.

Diese schlechten Inhaltsstoffe solltest du in deiner Körperpflege vermeiden

Formaldehyde und Formaldehydabspalter

Formaldehyde und verschiedene Substanzen, die aus Formaldehyd abgespalten werden, kommen in Kosmetik- und Pflegeprodukten vor allem als Konservierungsstoff, Lösungsmittel und in Nagelhärtern zum Einsatz. Aber auch in Selbstbräunern und Haarpflegeprodukten finden sich Formaldehydabspalter. Besonders gern verwendet werden verschiedene Formen von Formaldehydabspaltern hierfür aufgrund ihrer Fähigkeit, besonders stabile Verbindungen zu bilden.
Wenn Formaldehyd aber in zu großen Mengen oder regelmäßig mit Haut oder Schleimhäuten in Kontakt kommt oder eingeatmet wird, kann es zu Reizungen der Atemwege, Schleimhäute und der Haut kommen. Formaldehyd kann die Hautschutzbarriere massiv stören, die Haut austrocknen und die Hautzellen angreifen. Das führt zu trockener, juckender Haut, schneller Hautalterung, Allergien, Ekzemen und teilweise sogar zu Schlaf- und Gedächtnisstörungen. Hohe Konzentrationen an Formaldehyd können zudem krebserregend wirken.

Wie erkenne ich Formaldehydabspalter in Kosmetika?

Nicht nur das eigentliche Formaldehyd ist schädlich für die Haut und die Umwelt, auch bestimmte Stoffe, die bei der Zersetzung von Formaldehyd entstehen, können den Organismus schädigen.

Solche Formaldehydabspalter sind zum Beispiel:

Diazolidinyl Urea, Dimethyl Imidazolidione, DM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea, Methyldibromo Glutaronitrile, Quaternium-15, Sodium Hydroxymethyl Glycinate, 2-Bromo-2-Nitropropane, 5-Bromo-5-Nitro-Dioxane

In Naturkosmetik sind Formaldehyd und seine Abspalter glücklicherweise verboten, aber beim Kauf von konventionellen Selbstbräunungsprodukten, Nagelhärtern und Nagellacken sollte man auf oben genannte Stoffe achten. Vor allem dann, wenn man unter Allergien leidet, Hautkrankheiten hat oder unter Krankheiten der Atemwege leidet.

Wer langfristig auf schlechte Alkohole, allergene Duftstoffe, Paraffine, scharfe Tenside und Formaldehyde in seinen Pflegeprodukten verzichtet, tut seiner Haut und seiner Gesundheit einen großen Gefallen und vermeidet viele Ursachen trockener Haut, vorzeitiger Hautalterung und Fältchenbildung. Außerdem beugt ihr damit Kontaktallergien, Ekzemen und Atemwegserkrankungen vor und tut auch der Umwelt etwas Gutes.
Wenn ihr auf der Suche nach Inspiration zu Hautpflege ohne schlechte Inhaltsstoffe und Schadstoffe seid, hilft euch unser Artikel über vegane und tierversuchsfreie Gesichtspflege weiter.
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